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MERANO WINEFESTIVAL: ZEITLOSE EXZELLENZ

2026-10-15 17:28

Martin Villgrater

Events, Merano Winefestival, Winehunter Awaard, Gourmet,

MERANO WINEFESTIVAL: ZEITLOSE EXZELLENZ

Vom 6. bis 10. November 2026 feiert das Merano WineFestival seine 35. Ausgabe - einem Blick weit in die Zukunft und einem Gruß nach Tokio

35 JAHRE UND KEIN BISSCHEN MÜDE 

 

 

 

 

 

 

Wenn sich Anfang November der Herbstnebel über die Passer legt und die Kurpromenade langsam zur Ruhe kommt, herrscht im Kurhaus von Meran Hochbetrieb. Vom 6. bis 10. November 2026 feiert das Merano WineFestival seine 35. Ausgabe – mit den ersten Höchstnoten seiner Geschichte, einem Blick weit in die Zukunft und einem Gruß nach Tokio.

 

Seit 1992 verwandelt Helmuth Köcher – in der Branche längst nur noch „The WineHunter“ – den Jugendstilbau an der Freiheitsstraße jeden Herbst in einen Treffpunkt für Winzer:innen, Sommelier:es, Händler:innen und Wine Lover aus aller Welt. Man kennt sich. Man trifft sich. Und man probiert, was die Verkostungskommissionen der Guida The WineHunter übers Jahr für würdig befunden haben.

Die Zahlen der Jubiläumsausgabe lassen sich sehen: 810 Betriebe, mehr als 2.600 Produkte zur Verkostung und über 100 Produzent:innen aus zwölf Ländern – von Georgien und Aserbaidschan über den Libanon und Moldawien bis nach Brasilien, Argentinien und Südafrika. Zur Einordnung: Im Vorjahr zählte das Festival über 8.000 Besucher:innen, darunter mehr als 3.000 Fachbesucher:innen und 150 Buyer aus 32 Ländern.

Wie viel Selbstbewusstsein darf sich ein Festival nach 35 Jahren leisten? Offenbar eine ganze Menge. Präsentiert wurde das Programm heuer nicht etwa in Meran, sondern am 7. Oktober im italienischen Senat in Rom. Dort erklärte Senatsvizepräsident Gian Marco Centinaio Meran während der Festivaltage kurzerhand zur Weinhauptstadt Italiens. Das Leitmotiv der 35. Ausgabe ist dabei bewusst zeitlos gewählt: Eleganz und Schönheit – jene Harmonie aus Balance, Sorgfalt und Geduld, die Köcher zufolge großen Wein ebenso auszeichnet wie hochwertige Lebensmittel.


 

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DER BLICK IN DIE ZUKUNFT

 

Die wohl weitreichendste Neuheit wirkt erst nach dem Festival: Ab 2027 soll das Merano Wine Observatory als ganzjährige Plattform Produzent:innen, Expert:innen, Fachhandel und Institutionen vernetzen. Ziel ist es, Daten zu sammeln, Erfahrungen auszutauschen und Trends zu erkennen, bevor sie den Markt umkrempeln – in einer Branche, die klimatisch wie geopolitisch gerade ordentlich durchgeschüttelt wird. Aus dem Fünf-Tage-Event soll so ein Beobachtungsposten werden, der das ganze Jahr über die Augen offenhält.

Aber auch heuer gibt es Premieren. Der Eröffnungstoast am Freitagvormittag wird live mit Tokio verbunden, wo zeitgleich das erste Merano WineFestival Japan über die Bühne geht. In der WineHunter Area feiert die Selektion Next Platinum Debüt: Sie versammelt jene Produkte, die den Gipfel ihrer Prämierungsklasse erreicht haben und am Sprung nach ganz oben stehen. Neu dabei sind außerdem die Gewinner der Gran Medaglia d’Oro beim Mondial des Vins Extrêmes – jenem Wettbewerb des Cervim, der sich der heroischen Weinbaukunst an Steilhängen und in Berglagen widmet. Da fühlt sich Südtirol naturgemäß angesprochen.

Und für die Geschäftsseite: Die italienische Außenhandelsagentur ICE hat die Zahl der nach Meran eingeladenen internationalen Einkäufer:innen verdoppelt. Köcher selbst bringt die Stoßrichtung mit einer Frage auf den Punkt: „Wie wird Wein in 5, 10 oder 20 Jahren produziert, verkauft, konsumiert und wahrgenommen?“


 

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MAXIMALWERT: HUNDERT VON HUNDERT

 

Der WineHunter Award Platinum ist Produkten vorbehalten, die mehr als 96 Punkte erreichen. Heuer gab es erstmals in der Geschichte des Preises die volle Punktzahl – gleich viermal. Und es lohnt sich, die vier Etiketten nebeneinander zu legen:

  • Ferrari Trento, Trentodoc Perlé 2002 – Bergschaumwein, der zeigt, dass italienische Flaschengärung Jahrzehnte überdauern und sich mit den Großen der Champagne messen kann.
  • Kellerei Terlan, Südtirol Terlaner DOC Rarity 2013 – der Beweis, dass ein Weißwein aus Südtirol die Zeit nicht fürchten muss, sondern sie in Schönheit verwandelt.
  • Attilio Contini, Vernaccia di Oristano DOC Riserva 1998 – oxidativ ausgebaut, tief verwurzelt im alten Sardinien.
  • Avignonesi, Vin Santo di Montepulciano DOC „Occhio di Pernice“ 2012 – ein Meditationswein aus toskanischer Tradition.

Méthode classique, großer Lagerweißwein, oxidative Vernaccia, Vin Santo: vier Stile, vier Regionen – und doch ein gemeinsamer Nenner. Die Zeit. Dass mit der Kellerei Terlan ein Südtiroler Betrieb unter den ersten vier steht, dürfte hierzulande niemanden überraschen. Gefreut haben wird es trotzdem.

Insgesamt wurden 101 Platinum-Awards in den Kategorien Wine, Food und Spirits vergeben. Die feierliche Verleihung findet am Freitag, 6. November, um 16.30 Uhr im Stadttheater (Teatro Puccini) statt, gemeinsam mit fünf Honour Awards und der Ehrung der Cult Oenologists – neun von Köcher ausgesuchte Önologen, darunter Riccardo Cotarella, Carlo Ferrini, Luca D’Attoma, Gianni Menotti und der leider verstorbene Franco Bernabei.

Beim Gala-Dinner am Abend folgen die fünf WineHunter Stars 2026: Roberto Cipresso (Winemaker Star), Beppe Palmieri, Maître-Sommelier der Osteria Francescana (Wine Manager Star), TV-Gastronom Giuseppe „Peppone“ Calabrese (Wine&Food TV Host Star), Cristina Mercuri, Italiens erste Master of Wine (Communication Star), sowie posthum Livio Felluga, dessen Wine Artist Star Sohn Filippo entgegennimmt. Ebenfalls am Freitag werden die besten Rieslinge Italiens gekürt: Der Riesling-Wettbewerb geht heuer in seine 20. Runde.


 

MEHR ALS NUR VERKOSTEN

 

Das Gala-Dinner am Freitagabend ist heuer eine Reise durch fünf Regionen und fünf Spielarten der Eleganz. Gekocht wird in Zusammenarbeit mit Teritoria, einer Sammlung von über 300 Häusern in Europa, als deren Brand President kein Geringerer als Alain Ducasse fungiert. Am Herd stehen Sara Bertocchi und Fabrizio Molteni (Frosch Restaurant), die Sterneköche Massimo Spigaroli (Antica Corte Pallavicina), Arcangelo Tinari (Villa Maiella) und Giacomo Devoto (Locanda de Banchieri) sowie Anna Ghisolfi, die das Dessert verantwortet.

Auffällig ist, wie stark das Kulturprogramm heuer von Frauen geprägt ist. Laura Donadoni stellt am Freitag das EU-Projekt „Grapes of Change“ für mehr Gleichstellung in der Weinwelt vor. Am Samstag präsentiert Camilla Lunelli ihr Buch „Un’arte di famiglia“ – vom Entwicklungseinsatz in Afrika zurück in den Trentiner Familienbetrieb Ferrari – und Chiara Giorleo porträtiert in „Vino, donna“ 90 Protagonistinnen des Wandels. Am Abend laden die Donne del Vino aus Trentino-Südtirol im Frauenmuseum zu „Voci nei calici“. Lokalkolorit bringt am Sonntag Mario Vacca mit „L’Alto Adige in un calice. Vignaioli del Burgraviato“ über die Winzer:innen des Burggrafenamts.

 

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Dazu kommen die WineHunter Masterclasses im Hotel Therme Meran, B2B-Formate wie der WH Buyers’ Club und die ICE Buyers Area sowie der Fuori Salone entlang der Freiheitsstraße – Merans roter Teppich für alle, die kein Ticket gelöst haben. Den Schlusspunkt setzt am Dienstag traditionell der Catwalk Champagne&more: ein Tag ganz im Zeichen der Perlage, flankiert von Kaviar, Austern und anderen Gourmet-Spezialitäten. Wer am Stand Gefallen an einem Wein findet, kann übrigens per QR-Code und App direkt bestellen – gesammelt in einer Lieferung.

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DIE SYMBIOSE DES GENUSSES

 

Wein allein war Köcher nie genug. Schon seit 1996 holt das Festival auch die besten Lebensmittel aus ganz Italien nach Meran, und die Kommissionen der Guida The WineHunter verkosten übers Jahr nicht nur Wein, sondern ebenso Food, Spirits und Bier. Vom 6. bis 9. November zeigen in der GourmetArena rund 150 Betriebe Feinkost, Craft-Biere und Destillate, begleitet von Showcooking und Pairings aus Meisterhand. Ganze Regionen treten dabei geschlossen auf – Kampanien etwa mit einem eigenen Bereich unter dem Namen „Campania Felix“.

Zwei Bereiche verdienen besondere Aufmerksamkeit. Die WineHunter Rosé Selection widmet sich den besten Roséweinen, die längst mehr sind als ein Sommerflirt. Und die neue No-Low-Alcohol-Area greift auf, was viele Produzent:innen derzeit umtreibt: Getränke mit wenig oder gar keinem Alkohol. Old School und Trendy Drinking also, Tür an Tür. Köcher zählt die alkoholreduzierten Weine zu den wichtigsten Trends am Markt – nicht zuletzt, weil sie vor allem jüngere Menschen an den Wein heranführen.

Wo Wein und Kulinarik sich am elegantesten begegnen, ist am letzten Festivaltag zu erleben: Champagner und italienische Flaschengärung zu Kaviar und Austern. Oder, wie es Senatorin Silvia Fregolent bei der Präsentation in Rom formulierte: ein Festival, das gutes Essen und guten Wein vereint – und genau dadurch zum Ort der Kultur wird.

 

MERAN, QUO VADIS?

 

Tickets für einzelne Tage sowie Abos sind online auf meranowinefestival.com erhältlich, Fachbesucher:innen können sich dort akkreditieren.

Ob der Wein in zwanzig Jahren noch derselbe wie heute sein wird, soll das neue Observatorium herausfinden. Dass er auch dann in Meran getrunken wird, steht schon heute fest.

 

 

Quellen:

 

 

Foto:: © Merano Winefestival